Fauststadt Staufen im Markgräflerland

Verschiedenste Stein-Trogbrunnen, die in der frostfreien Zeit alle im Betrieb sind


Brunnen vor der Winzergenossenschaft
Brunnen vor der Winzergenossenschaft
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Brunnen in der Jägergasse
Brunnen in der Jägergasse
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Eine tragende Rolle
Unterwegs mit Ingenieur Stefan Dörner in den RISSE-GEBÄUDEN von Staufen
Wenn jemand weiß, wie man Staufens Risse kittet, dann ist es Stefan Dörner vom Büro für Baukonstruktionen aus Karlsruhe. Der Diplomingenieur hat eine tragende Rolle in der Stadt. Der Sonntag war mit ihm unterwegs. Die zahlreichen Schaulustigen, die die Schäden am rückwärtigen, rot angestrichenen Rathausgebäude betrachten, dürften diesen Riss im Asphalt des Innenhofes eher übersehen. Wer hier steht, steht 13 Zentimeter höher als noch im Sommer 2007, vor dem Beginn der Erdwärmebohrungen. Der Riss markiert den Scheitel der seit Monaten in Staufen andauernden Hebungen. Dörner hat einen Stadtplan dabei. Auf dem zieht sich dieser Scheitel als Linie mitten durch die am stärksten beschädigten Häuser: das rote Rathaus, in dem sich Archiv, Grundbuch und Bauamt befinden, das historische Rathaus am Marktplatz, das Haus von Claus Hermann in der Jägergasse, die Wiesler-Scheune in direkter Nachbarschaft.–
Dörner dreht den Stadtplan um und malt auf die weiße Rückseite einen langen geraden Strich. Dann verbindet er beide Eckpunkte mit einer gebogenen Linie. Er will damit veranschaulichen, was unter Staufen passiert. Der Untergrund hebt sich, dadurch wird die Geländeoberfläche gekrümmt und in die Länge gezogen und mit ihr die Häuser, die darauf stehen. Zusammengestaucht werden die Häuser in den Randzonen, dort wo der hochgehobene Untergrund sich wieder dem Normalniveau angleicht.

Brunnen auf dem Marktplatz
Brunnen auf dem Marktplatz
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Brunnen in der Hauptstraße
Brunnen in der Hauptstraße
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Brunnen im Hinterstädtle
Brunnen im Hinterstädtle
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Brunnen namenloser
Brunnen in der Jägergasse
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Brunnen im Grün
Brunnen im Grün - Nähe Café Decker
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Brunnen im Hinterstädtle an einer Hauswand
Brunnen im Hinterstädtle an einer Hauswand
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Das Stadtschloss zum Beispiel steht in diese Zone. Der Hebungsscheitel lässt das in den 50ern erbaute rote Rathaus auseinanderdriften. Die Bruchstelle zieht sich quer durch alle Stockwerke. Decken und Wände bewegen sich voneinander weg. Ein handbreiter Spalt hat sich entlang dem Fußboden aufgetan. Die Außenmauern sind stellenweise offen. Überall haben Zimmerleute auf Dörners Geheiß Holzbalken zum Abstützen eingezogen, auch im Stadtarchiv im Erdgeschoss. Die größte Last aber fängt hier eine Stahlstütze ab. Große Teile des Archivgutes sind
hinter Plastikfolie versteckt. Die Rollregale machen sich durch die Schiefstellung des Bodens immer wieder selbstständig. Dörner muss sie mit Keilen blockieren, um nicht von ihnen eingeklemmt zu werden. Der Baufachmann kurbelt das letzte Regal zur Seite und macht so den Blick frei auf die Giebelwand, deren Verputz großflächig abplatzt. „Die Wand neigt sich leicht nach innen, zum Scheitelpunkt hin, daher kommt das“, erklärt
er. Die Schiefstellung lässt sich von außen noch besser betrachten. Die Leibungen der zum Archiv gehörenden Fenster haben sich völlig verschoben.

Sorgenkind Treppenturm
Am historischen, 1546 erbauten Rathaus sind solche Maßnahmen unmöglich. Hier muss auf den Denkmalschutz Rücksicht genommen werden. Größtes Sorgenkind ist der 1606 angebaute Treppenturm, der sich vom Hauptgebäude ablöst. Geplant ist, ihn zunächst in sich zu festigen. Dazu werden in den kommenden Wochen acht Zentimeter breite Löcher hineingebohrt. Hinein kommen Stahlträger, die das beschädigte Mauerwerk ertüchtigen sollen. Noch wirksamer wäre es, den Turm nicht nur in sich zu verstärken, sondern ihn auch zusätzlich mit dem Hauptgebäude zu verklammern. „Aber das wäre sehr aufwendig und mit dem laufenden Rathausbetrieb nicht zu vereinbaren“, sagt Dörner. Im Innern des Treppenturms hat er die Stufen, die marode sind, mit einem Kreuz markiert. Auch hier sollen zur Festigung Stahlstifte ins Mauerwerk getrieben werden. Der Scheitelpunkt der Hebungen zieht sich entlang dem Flur im Erdgeschoss des Rathauses, zwischen Bürgerbüro und der Touristen-Information, erkennbar an den massiven Schäden. Mit dazu bei trägt auch die Last des benachbarten Rathaus-Cafés, das direkt an das Rathaus angebaut ist, aber keine eigene Wand besitzt. Auf der Wand im Rücken der Mitarbeiterinnen des Bürgerbüros lastet also das Gewicht der Decken beider Häuser.
Viele Erkenntnisse über die eigentümliche Bausubstanz des alten Gemäuers hat die Generalsanierung zwischen 2005 und 2007 zutage gefördert. Aber auch jetzt, bei seiner statischen Absicherung, lernt man dazu: Dass das Rathaus an manchen Stellen unterkellert ist und direkt daneben wieder nicht. Dass manche Decken nicht vollständig auf den Wänden aufliegen, sondern nur zum Teil. All das sind wichtige Erkenntnisse, um eines Tages einmal die Hebungsrisse nicht nur mehr provisorisch kitten zu können, sondern an die große Sanierung zu gehen – den Einbau neuer Fundamente aus Stahlbeton für die beiden Rathäuser und das Mauern einer eigenen Wand für das Rathaus-Café. Dass das leichter gesagt als getan ist, weiß auch Stefan Dörner

mit freundlicher Genehmigung von „Der Sonntag“, Christof Wagner, 26. April 2009

 

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