Neue Erkenntnisse über die Geologie von
Staufen präsentierte Geotechniker Robert Breder. Geologen haben herausgefunden, dass bislang nur ein Teil des Gipskeupers aufquillt, dass große Teile davon inaktiv sind. Zudem wurde festgestellt, dass sich die Erdoberfläche nicht nur nach oben bewegt, sondern auch zur Seite. „Diese horizontale Bewegung trägt auch zu den Schäden bei, die Häuser werden dadurch gezerrt und gestaucht", sagte Breder. Inzwischen ist die Zahl der beschädigten Immobilien auf 234 gestiegen. Die Hebungen dauern mit gewohnter Geschwindigkeit an.
Benitz sagte, dass die Stadt gegen das österreichische Unternehmen Wälderbau, das im Sommer 2007 die sieben Löcher gebohrt hat, rechtlich vorgehen wird. Vermutlich hat die Firma, entgegen den behördlichen Auflagen, dabei keinen sulfatbeständigen Zement benutzt. Zur Vantwortung gezogen werden soll auch das Planungsbüro Systherma. „Das wird uns aber finanziell kaum nützen', unterstrich Benitz.
Staufens Bürgermeister forderte das Land auf, zu seinen Zusagen zu stehen. Die Stadt will eine unabhängige Schiedstelle zur Regulierung von Schäden einrichten. Stuttgart müsse diese mit einem eigenen Etat versehen. Benitz machte keinen Hehl daraus: Staufens Haushaltslage ist dramatisch. „Wir haben alle Rücklagen aufgebraucht, uns klafft eine Lücke von zwei Millionen Euro und dabei sind die Risse noch gar nicht drin."
Unterdessen weist Badenova die in der Hebungszone wohnenden Hausbesitzer darauf hin, selbst dafür Sorge zu tragen, dass ihre Hausgasanschlüsse intakt bleiben. Die Stadt wird ihnen aber vorschlagen, dass dies ein Fachbetrieb für alle übernimmt. Entsprechende Schreiben gingen in den nächsten Tagen raus. Die Kosten werde die Stadt vorschießen, intakte Hausanschlüsse seien Voraussetzung dafür, von Badenova mit Gas beliefert zu werden, betonte Benitz. Das rückwärtige
Rathausgebäude ist inzwischen geräumt. Die Mitarbeiter des Bauamtes haben eine Büroetage über der Heitzmann-Filiale am Marktplatz bezogen. Das Archivgut kam nach Grunern. Das jetzt weitgehend leere Gebäude wird wohl abgerissen. Einen Termin dafür gibt es bislang nicht.
Mit freundlicher Genehmigung von
HANS CHRISTOF WAGNER, Der Sonntag, 15. November 2009