Fauststadt Staufen im Markgräflerland

Aktuelles über die Fauststadt Staufen und ihr Thema Risse und ihre Folgen?


Bücher über des Dreiländereck

Auf dieser Seite beschreibe ich - sofern machbar - gern in Folge den weiteren Verlauf der Risseentwicklung in Staufen und die in Betracht kommenden Lösungen. Dafür danke ich sehr gern den unten genannten Redakteuren regionaler Zeitungen, die mir das bisher ermöglicht haben.
     
Oktober 2010 Linkpfeil Gründung des Stiftung zu Erhaltung der Staufener Altstadt
24. Jannuar 2010 / Der Sonntag Linkpfeil
Juli 2010 / Der Sonntag Linkpfeil
17. Oktober 2010 / Der Sonntag /
Ch.Wager und K. Riexinger
Linkpfeil
     
     
     
Ächzende und knarrende Häuser
Hans Christof Wagner + Klaus Riexinger
Trotz aller Fortschritte ist die historische Altstadt Staufens weiter vom Zerfall bedroht

Die Sorgen der Stadt Staufen erkennt nicht jeder auf den ersten Blick. „Ja zur großen Umfahrung", liest man auf Protestschildern in Vor­gärten am Ortseingang der 7 800-Einwohner-Stadt. Bürger einer Stadt, die vom Verfall be­droht ist, fordern eine Umge­hungsstraße? Es gibt auch „Ris­se-Touristen", die enttäuscht fra­gen, wo denn die dramatischen Schäden zu sehen seien, berichtet Stadtbauamtsleiterin Martina Schlatter. Staufen weiß damit umzugehen. Zu den historischen Führungen werden jetzt auch geologische angeboten. Dort erfahren die Besucher dann, dass viele Risse notdürftig geflickt und überpinselt sind.
Es gibt auch gute Nachrichten aus Staufen im Herbst 2010: Die Zahl der durch Risse geschädigten Häuser hat sich in den vergangenen Wochen nicht erhöht und die Fläche, auf der die betroffenen Häuser stehen, nicht vergrößert. Die schlechte Nachricht ist, dass die Bewegung im Untergrund weitergeht - wenn auch inzwischen etwas langsamer. Betrug die Hebung früher 10 Millimeter pro Monat in der Spitze, sind es heute 7 oder 8 Millimeter. 261 private Häuser und sieben städtische Gebäude sind mittlerweile „Risse-geschädigt". 127 so stark, dass sie regelmäßig kontrolliert werden. Der Altstadt droht weiterhin der Zerfall.
Staufen aber bemüht sich um Normalität. Manchmal ist die Stadt dabei so erfolgreich, dass die Katastrophe fast vergessen wird. So haben Bürgermeister aus der Umgebung den Staufener Amtskollegen darauf angesprochen, dass die Stadt ihr Risseproblem im Griff habe. Da musste Belitz Aufklärungsarbeit leisten. Die eigentlichen Dramen aber spielen sich in den Häusern ab. Claudia Herbig kann die kleinen Erfolgsmeldungen der Stadt nicht nachvollziehen. „Es mag ja stimmen, dass sich das Tempo der Hebungen verringert hat, aber bei uns ist es dieses Jahr am schlimmsten gewesen“, sagt die Inhaberin von Herbigs Haushaltswaren in der Staufener Innenstadt. Nachts, wenn sie mal wieder nicht einschlafen kann, hört sie wie das Haus ächzt und knarrt. Dann grübelt sie darüber nach, wie lange die Rissekrise sie und Staufen noch beschäftigen wird — noch ein paar Jahre oder vielleicht ihr ganzes Leben? Sie ist 46 und hat vor sieben Jahren das von ihrem Urgroßvater 1893 gegründete Geschäft übernommen, das ihre Mutter zuvor geführt hat. In einer Ecke des Wohnzimmers hängen alte Familienfotos. Wo die Wände aufeinandertreffen, klafft ein breiter Riss. „Mitten durch die Ahnengalerie", sagt Claudia Herbig und lacht.
Seit fast drei Jahren leben Mutter und Tochter Herbig in einem Haus, das eine Dauerbaustelle ist. „Irgendein Handwerker ist eigentlich immer da", sagt die Tochter. Erst neulich war ein Installateur im Keller und hat das Abwasserrohr neu verlegt. Das alte war durch die Erdbewegungen zusammengestaucht und undicht geworden. Der Lagerbestand an Haushaltswaren wäre nass geworden, hätte sie nichts unternommen. Schlimm genug war es dennoch: der Lärm, der Staub. Der Installateur musste die Wand mit dem Presslufthammer aufbrechen, um einen Durchgang für das Rohr zu schaffen. Entlang der Kellertreppe zieht sich ein breiter Riss. Putzstücke platzen großflächig ab. Vor einiger Zeit löste sich in einem anderen Haus die Putzdecke, als der Frühstückstisch gedeckt war - just in dem Moment, als niemand im Raum war.
‚Wir überlegen manchmal schon, ob es nicht besser wäre, Schutzhelme aufzuziehen, wenn wir ins Lager müssen", sagt Claudia Herbig. Oben, in der Wohnung, sind es Türen, die regelmäßig abgehobelt werden müssen, damit sie wieder schließen. Bodenwellen tun sich auf, Fenster lassen sich nicht mehr öffnen. Auch im Café Faller hat sich ein Riss gebildet, den Markus Faller noch nicht kannte. „Es gibt bei mir eigentlich keinen Raum, der keine Risse hat“, sagt der Inhaber der Bäckerei in der Hauptstraße. Dabei ist schon vieles nicht mehr sichtbar, der Riss z. b., der sich den ganzen Flur langgestreckt hatte. Er ist jetzt unter einem PVC-Bodenbelag verschwunden, der flexibel auf die Hebungen reagiert.


Auch im Verkaufsraum der Bäckerei ist schon einiges gemacht worden – Bodenwellen wurden beseitigt, damit kein Kunde stolpert, zersprungene Fliesen wurden erneuert. „Im Sommer standen die Tische draußen schräg da. Städtische Arbeiter kamen vorbei und haben die Bodenwellen mit dem Vorschlaghammer gerade geklopft“, erzählt Faller. Einmal hätten sich die Fliesen in der Backstube innerhalb von Sekunden um mehrere Zentimeter aufgestellt. Im Keller neigt sich seit Monaten ein Stahlträger zur Seite. Holzbalken stützen die Decke ab.
Vermutlich sind die Hebungen im Untergrund die Ursache, warum auch Klara Heiss in ihrem Haus am Bahnhof Risse hat, obwohl es rund einen Kilometer von der eigentlichen Hebungszone in der Innenstadt entfernt ist. Bei Ihr sind die Marmorfliesen zersprungen und der Wintergarten hat sich abgesenkt. Eine schlüssige Erklärung für den Einzelfall gibt es nicht. Die Stadt kümmere sich schon, sagt Bäcker Markus Faller, aber es sei halt alles nur Flickwerk. Seit Jahren leben er und seine Frau Bianca schon mit den Rissen. Das Paar war gerade mit der Renovierung der Wohnräume in den oberen Stockwerken fertig, als es losging. Sie hatten sich dafür viel Geld geliehen und die Bank will den Kredit bedient sehen, mit oder ohne Risse. Gegen die Stadt hat Faller keinen Groll, wohl aber gegen das Land. Dass es die Bohrungen genehmigt hat und sich jetzt so knauserig gibt. Für Stuttgart 21 ist Geld da, aber für Staufe nicht.
So sieht das auch Wolfgang Trch, der direkt am seit einem Jahr geräumten hinteren Ratsgebäude wohnt, in einer früheren Scheune. Bei ihm pfeift der kalte Wind durch fingerbreite Risse in der Wand. Er hat gerade das Fenster zur Rathausgasse reparieren lassen, nachdem die Scheiben durch den auf dem Haus lastenden Druck gesprungen waren. Die Rechnung des Glasers will er an die neu eingerichtete Schlichtungsstelle schicken. Der Glaser wollte ein neues Fenster einbauen, doch Trch bestand darauf, dass nur die Scheiben ausgetauscht werden. Weil er davon ausgeht, dass sie nicht lange halten.
Trch ist überzeugt: Hätte er sein Haus nicht in den 80er Jahren hergerichtet, wäre es lange schon unbewohnbar. Wo sein Haus steht, hat sich der Boden in den vergangenen drei Jahren um über 30 Zentimeter angehoben. Er wohnt sozusagen auf dem Epizentrum. Hier haben die verhängnisvollen Erdwärmebohrungen 2007 stattgefunden, durch die Wasser in den Gipskeuper unter der Stadt eingedrungen ist und der seitdem aufquillt. Hier sind die Schäden am größten.
„Ohne Stützmaßnahmen wäre das rückwärtige Rathaus längst eingestürzt", betont Helmut Zimmermann, der stellvertretende Bürgermeister in Staufen. Sanierungsfähig ist das Gebäude nicht. Wer es betritt, hat den Eindruck, einen Rohbau zu betreten. Überall sind Stützbalken aufgestellt, am Boden geben an manchen Stellen zentimetergroße Spalten den Blick in das darunter liegende Stockwerk frei. Bis November 2009 war hier noch das Stadtbauamt untergebracht. „Ein Jahr lang haben wir mit dem Knarren im Gebälk und Verputzstücken auf dem Boden gearbeitet", erzählt Stadtbauamtsleiterin Martina Schlatter, „für die Menschen ist das auch eine psychische Belastung". Abreißen will man das Gebäude zum jetzigen Zeitpunkt aber nicht. Ein eingestürztes Haus oder eine Baulücke mitten in der Altstadt wäre ein verheerendes Signal, das einen Dominoeffekt auslösen könnte. Dann wäre es um den Schein der Normalität geschehen.

Einige Staufener sagen, dass das Rathaus als Demonstrationsobjekt stehen bleiben soll, um die dramatischen Auswirkungen vorführen zu können: Am Eingang des Rathauses hängen drei Bauhelme für etwaige Besucher. Längst nicht mehr alle Menschen in Staufen glauben an ein gutes Ende. Seit die Bohrlöcher verfüllt sind, haben sich die Hebungen lediglich etwas verlangsamt. Zusätzlich wird jetzt Wasser im Untergrund mit Brunnen dauerhaft abgepumpt. Die nächsten Monate werden zeigen, was die Maßnahmen bringen. Erst wenn die katastrophalen Hebungen ein Ende haben, wird der Blick frei werden auf den Gesamtschaden. Aus heutiger Sicht liegt er bei 40 Millionen EUR. Das andere Szenario ist, das Undenkbare zu denken: eine nicht mehr zu rettende Altstadt.  



Ich bedanke mich sehr bei den Herren und Herrn René Zipperlen und Christof Wagner von Linkpfeil Der Sonntag Verlags GmbH, die es mir erlaubten, seit Beginn 2008 kompetente Zeitungsbeiträge zur Stadt Staufen und insbesondere zum Thema Risse auf diesen Seiten zu veröffentlichen.



Wappen am Staufener Rathaus, dass wegen
dramatischer Risse um seine Zukunft bangt.

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Ich bedanke mich sehr bei den Herren Volker Murzin von der Linkpfeil WZO Verlags-GmbH [Reblandkurier und Wochenblatt] und Herrn René Zipperlen, Christof Wagner und Klaus Riexinger von
Linkpfeil Der Sonntag Verlags GmbH, die es mir erlaubten, seit Beginn 2008 kompetente Zeitungsbeiträge zur Stadt Staufen und insbesondere zum Thema Risse auf diesen Seiten zu veröffentlichen.

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